Ein ruhiger, unbelüfteter Innenraum mit Referenzdruckbehälter genügt für einzelne, abgeschlossene Reinraumzonen, die sich nur auf Nachbarräume beziehen. Er folgt aber dem Gebäudedruck: Aufzüge, Türen und thermischer Auftrieb wirken weiter. Allein der Auftrieb bringt bei 20 K rund 0,9 Pa je Meter Höhe.
Sobald die Gebäudehülle, mehrere Gebäudeteile oder dynamische Abluft beteiligt sind, gehört der Referenzdruck nach außen – mit Windausgleich und Heizung.
Worauf bezieht sich Ihre Druckregelung?
Der Referenzdruck – auch Referenznullpunkt oder Hausnullpunkt – ist der Bezug, gegen den alle Differenzdruckmessumformer messen. Die Frage „innen oder außen“ beantwortet sich über die Frage, welchen Druckunterschied die Regelung halten soll.
- Raum gegen Raum: Eine Druckkaskade innerhalb einer abgeschlossenen Reinraumzone, etwa Labor +15 Pa, Schleuse +10 Pa, Flur +5 Pa. Hier zählt der Unterschied zwischen den Räumen.
- Gebäude gegen außen: Eine Halle soll leicht im Überdruck stehen, damit keine Außenluft einströmt (Infiltration). Hier zählt der Unterschied zur Außenluft – der Bezug muss außen liegen.
- Mehrere Gebäudeteile: Altbau, Anbau und Verbindungsgänge sollen zueinander passen. Dann brauchen alle Teile einen gemeinsamen Bezug, der von keinem Teil abhängt.
Was spricht für innen, was für außen?
Innen: ruhig, aber im Gebäudedruck
Ein Arbeitskreis der Fachzeitschrift ATP hat 2022 Empfehlungen zur Raumdifferenzdruckmessung veröffentlicht. Er empfiehlt einen ruhigen, unbelüfteten Innenraum mit Referenzdruckbehälter und nennt gegen Außenmessstellen Witterung, Frost und Wartung. Für abgeschlossene Zonen ist das ein sinnvoller Weg.
Die Grenze: Ein Innenraum steht im Gebäudedruck. Aufzüge wirken im Schacht wie Kolben, Türen und Tore koppeln Zonen, Abluftanlagen ziehen Gebäudeteile in den Unterdruck. Dazu kommt der thermische Auftrieb:
Rechnung: Δp ≈ g · h · Δρ. Bei 20 K Temperaturdifferenz zwischen innen und außen sind das rund 0,9 Pa je Meter Abstand zur neutralen Zone. Liegt der Referenzraum 10 m über oder unter der neutralen Zone, verschiebt sich sein Druck um rund 9 Pa. Das ist fast eine ganze Druckkaskade.
Ein Referenzdruckbehälter dämpft kurze Stöße, folgt aber dem mittleren Gebäudedruck. Er kann keinen Bezug zur Außenluft herstellen.
Außen: gemeinsamer Bezug, wenn Wind und Frost gelöst sind
Außen wirken Aufzüge, Türen und Abluft nicht. Der Außendruck ist der einzige Bezug, der für alle Gebäudeteile gleich ist und die Gebäudehülle abbildet. Drei Punkte müssen dafür gelöst sein:
- Wind: Schon 5 m/s erzeugen rund 15 Pa Staudruck (q = ½ · ρ · v², ρ = 1,2 kg/m³). Die Messstelle muss Luv-Druck und Lee-Sog ausgleichen. Mehr dazu unter Warum schwankt die Raumdruckregelung bei Wind?
- Frost und Kondensat: Eine unbeheizte Messöffnung kann vereisen. Der HaNu 2009 heizt mit 15 W und schaltet unter +3,0 °C ein.
- Wartung: Der HaNu 2009 ist laut Hersteller grundsätzlich wartungsfrei. Die Bohrungen am Edelstahlzylinder (Ø 1,5 mm) werden gelegentlich auf Verschmutzung geprüft.
Damit sind genau die Einwände adressiert, die der ATP-Arbeitskreis gegen Außenmessstellen nennt.
Wie schneiden innen und außen im Vergleich ab?
| Kriterium | Innen: ruhiger Raum, Behälter | Außen: offenes Rohr | Außen: windkompensiert, beheizt |
|---|---|---|---|
| Aufzüge, Türen, Abluft | wirken, gedämpft | kein Einfluss | kein Einfluss |
| Thermischer Auftrieb | wirkt (ca. 0,9 Pa/m bei 20 K) | kein Einfluss | kein Einfluss |
| Wind | gering | hoch, richtungsabhängig | ausgeglichen |
| Frost, Kondensat | kein Thema | Vereisungsrisiko | beheizt |
| Bezug zur Gebäudehülle | nein | ja | ja |
| Mehrere Gebäudeteile | je Teil eigener Bezug | möglich, windabhängig | gemeinsamer Bezug per Ringleitung |
| Genügt für | abgeschlossene Zonen | – | Hülle, Kaskaden, Verbünde |
Wie entscheiden Sie im Projekt?
- Soll ein Druck gegen die Außenluft gehalten werden (Infiltration, Überdruck der Halle)? Dann außen.
- Sind mehrere Gebäudeteile, Anbauten oder Verbindungsgänge beteiligt? Dann außen, mit gemeinsamer Ringleitung.
- Gibt es dynamische Abluft, etwa an Öfen, Maschinen oder Abzügen? Dann außen.
- Liegen Aufzugsschächte, Tore oder Treppenhäuser nahe am möglichen Referenzraum? Dann außen.
- Ist die Zone abgeschlossen, klein und nur auf Nachbarräume bezogen? Dann kann ein ruhiger Innenraum mit Referenzdruckbehälter genügen.
Für die Ausschreibung einer Außenreferenz steht ein Ausschreibungstext zum Download bereit.
Wie sieht das in der Praxis aus?
Viele Anlagen arbeiten mit Chemiefässern, Dämpfungsrohren oder Sandfässern am Ende der Referenzdruckleitung. Sie verzögern die Schwankungen nur und folgen weiter dem Gebäudedruck. Warum Inbetriebnahmen damit Wochen dauern, beschreibt der Praxisbeitrag Die Vorteile des HaNu 2009 als Referenznullpunkt.
Häufige Fragen
Genügt ein Referenzdruckbehälter im Gebäude?
Für eine einzelne, abgeschlossene Reinraumzone, die sich nur auf Nachbarräume bezieht, kann er genügen. Er dämpft kurze Druckstöße, folgt aber dem mittleren Gebäudedruck.
Aufzüge, Tore und thermischer Auftrieb verschieben ihn weiterhin. Einen Bezug zur Außenluft, etwa gegen Infiltration, kann er grundsätzlich nicht herstellen.
Wo sollte der Referenzdruck außen abgegriffen werden?
Die Montageanleitung des HaNu 2009 empfiehlt die Mitte der Fassade, etwa zwei Drittel der Gebäudehöhe. Zur Dachkante bleiben mindestens 2,5 m Abstand. In windstarken Lagen werden mehrere Geräte an Luv- und Leeseite über eine Ringleitung verbunden, ideal vier Geräte an den vier Fassaden.
Warum nennt die Fachliteratur Nachteile der Außenmessung?
Weil einfache Außenmessstellen Wind und Frost ausgesetzt sind und Wartung brauchen. Der ATP-Arbeitskreis Raumdifferenzdruckmessung nennt 2022 genau diese Punkte.
Eine Außenreferenz mit Windausgleich und Heizung löst sie. Der HaNu 2009 gleicht Luv und Lee aus, baut Druckstöße in Kammern ab und heizt unter +3,0 °C mit 15 W.
Kann ich innen und außen kombinieren?
Ja, wenn die Regelaufgaben getrennt sind. Eine Druckkaskade innerhalb einer Reinraumzone kann gegen einen ruhigen Innenbezug geregelt werden, die Gebäudehülle gegen den Außendruck.
Wichtig ist, dass jeder Regelkreis eindeutig einem Bezug zugeordnet ist und die Bezüge nicht vermischt werden. Stimmen Sie das mit Planung und Automation ab.
Lässt sich eine bestehende Anlage auf Außenreferenz umstellen?
Ja. Der HaNu 2009 passt an alle Fassadentypen und wird an die vorhandene Referenzdruckleitung angeschlossen.
Für den Wanddurchbruch genügt eine Bohrung von mindestens 22 mm, bei demontiertem Stecker 16 mm. Die Heizung wird über ein Steckernetzteil an einer 230-V-Steckdose oder ein 24-V-DC-Hutschienennetzteil versorgt.