Aufzüge, Türen und Tore verschieben den Druck ganzer Gebäudeteile. Liegt der Referenzdruck im Gebäude, wandert er mit, und alle Druckstufen zeigen gleichzeitig eine Abweichung, die im Raum gar nicht stattfindet.
Abhilfe: den Referenznullpunkt nach außen an die Fassade legen, wo diese Störquellen nicht wirken. Echte, kurze Stöße an Türen und Schleusen glättet zusätzlich ein Tiefpassfilter; bei Außenreferenz empfiehlt die HaNu Manufaktur nicht unter 30 s.
Warum stören Aufzüge und Türen die Raumdruckregelung?
Eine Raumdruckregelung hält Druckunterschiede von wenigen Pascal, etwa Labor +15 Pa, Schleuse +10 Pa, Flur +5 Pa. Jede Druckänderung im Gebäude in dieser Größenordnung ist deshalb sichtbar. Typische Störquellen sind:
- Aufzüge: Die Kabine wirkt im Schacht wie ein Kolben und verschiebt den Druck in den angebundenen Geschossen.
- Türen und Tore: Jeder Öffnungsvorgang verbindet zwei Zonen mit unterschiedlichem Druck kurzzeitig miteinander.
- Abluftanlagen: Sanitärabluft, Abzüge, Öfen oder Maschinen ziehen Gebäudeteile dynamisch in den Unterdruck.
- Thermischer Auftrieb: Bei 20 K Temperaturdifferenz entstehen rund 0,9 Pa je Meter Abstand zur neutralen Zone (Δp ≈ g · h · Δρ).
Wandert der Raum oder der Bezug?
Zwei Effekte sehen im Trend ähnlich aus, haben aber verschiedene Ursachen. Die Unterscheidung spart Zeit bei der Fehlersuche.
| Beobachtung | Wahrscheinliche Ursache | Abhilfe |
|---|---|---|
| Alle Druckstufen springen gleichzeitig und in dieselbe Richtung | Der Referenzdruck im Gebäude wandert mit | Referenz nach außen legen |
| Nur ein Raum weicht ab, zeitgleich mit einer Türöffnung | Echte, kurze Druckänderung im Raum | Tiefpassfilter, Schleusenlogik prüfen |
| Abweichung hängt vom Geschoss ab und ändert sich mit der Jahreszeit | Thermischer Auftrieb am Referenzort | Referenz nach außen legen |
| Abweichung folgt dem Wetter | Wind an einer ungeschützten Außenmessstelle | windkompensierte Außenreferenz |
Die Montage- und Wartungsanleitung des HaNu 2009 weist ausdrücklich darauf hin: Auch im Labor erzeugen Türen und Schleusen kurze Druckschwankungen. Sie sollten gefiltert werden.
Was hilft – und was hilft nur scheinbar?
- Dämpfungsfass, Sandfass, lange Rohre: Sie verzögern Stöße, folgen aber weiterhin dem Gebäudedruck. Die Regelparameter bleiben ein Kompromiss.
- Referenz in einen ruhigeren Raum verlegen: Das verringert einzelne Störquellen, der Raum bleibt aber Teil des Gebäudes. Aufzüge in der Nähe und thermischer Auftrieb wirken weiter.
- Tiefpassfilter: Er glättet kurze Stöße und ist sinnvoll. Einen wandernden Bezug beseitigt er nicht.
- Referenz außen an der Fassade: Dort wirken Aufzüge, Türen und Abluft nicht. Übrig bleiben Wind und Frost, die ein windkompensierter, beheizter Referenznullpunkt ausgleicht.
Den ausführlichen Vergleich der Orte finden Sie unter Referenzdruck innen oder außen?
Wie gehen Sie bei der Sanierung vor?
- Trends aller Druckstufen nebeneinanderlegen: Springen sie gemeinsam, liegt es am Bezug.
- Den bestehenden Referenzort dokumentieren: Raum, Geschoss, Nähe zu Schächten und Toren.
- Referenznullpunkt an der Fassade setzen: mittig, etwa zwei Drittel Gebäudehöhe, mindestens 2,5 m unter der Dachkante.
- Die bestehende Referenzdruckleitung anschließen, auf Dichtheit prüfen und protokollieren – siehe Referenzdruckleitung richtig ausführen.
- Tiefpassfilter in Messumformer oder DDC nicht unter 30 s einstellen, mit den Lieferanten abstimmen.
- Regelparameter danach neu einstellen – gegen einen ruhigen Bezug lassen sie sich sauber optimieren.
Wie sieht das in der Praxis aus?
In Krankenhäusern sind die Druckschwankungen im Gebäude besonders hoch. Viele Nutzungen liegen unter einem Dach, dazu kommen Publikumsverkehr, Aufzüge und Absauganlagen.
Hinzu kommen An- und Erweiterungsbauten, deren Druckregelungen nicht aufeinander abgestimmt sind. Der Praxisbeitrag Druckschwankungen in Krankenhäusern beschreibt, warum dort ein Referenznullpunkt außerhalb des Gebäudes geplant wird.
Häufige Fragen
Warum gibt es Druckalarme, wenn der Aufzug fährt?
Die Aufzugskabine verschiebt im Schacht Luft und damit den Druck in den angebundenen Geschossen. Liegt der Referenzdruck im Gebäude, verschiebt er sich mit.
Die Messumformer zeigen dann in allen Räumen eine Abweichung, obwohl sich deren Druck gegenüber dem Flur kaum ändert. Liegt der Bezug außen, erreicht die Aufzugsfahrt ihn nicht.
Hilft ein Referenzdruckbehälter gegen Türstöße?
Er dämpft kurze Stöße, weil er Druckänderungen verzögert weitergibt. Er folgt aber dem mittleren Gebäudedruck und damit auch länger anhaltenden Änderungen, etwa durch Abluft oder thermischen Auftrieb.
Für einzelne, abgeschlossene Zonen kann das genügen. Für Regelungen, die sich auf die Gebäudehülle beziehen, braucht es einen Bezug außen.
Welche Filterzeit ist bei Türen und Schleusen sinnvoll?
Die HaNu Manufaktur empfiehlt für Regelungen gegen die Außenreferenz eine Tiefpassfilterung nicht unter 30 Sekunden. Die Montageanleitung weist darauf hin, dass auch Türen und Schleusen im Laborbereich kurze Schwankungen erzeugen, die gefiltert werden sollten. Die genaue Einstellung hängt vom Messumformer und der DDC ab und wird mit den Lieferanten abgestimmt.
Wie erkenne ich, ob der Bezug wandert?
Legen Sie die Trends mehrerer Druckstufen übereinander. Springen alle gleichzeitig und in dieselbe Richtung, bewegt sich der gemeinsame Bezug.
Weicht nur ein Raum ab, zeitgleich mit einer Türöffnung, ist es eine echte Druckänderung im Raum. Hängt die Abweichung vom Geschoss oder der Jahreszeit ab, spielt thermischer Auftrieb mit.
Weiterlesen
- Leitfaden Referenznullpunkt – Störgrößen innen und außen im Überblick
- Referenzdruck innen oder außen?
- Warum schwankt die Raumdruckregelung bei Wind?
- Symptom „Druckalarme ohne erkennbaren Grund“ auf der Startseite
- HaNu 2009: Technik und Dokumente
- Montage-, Wartungs- und Bedienungsanleitung (PDF)
- Alle Wissensseiten im Überblick